|
Haie
haben den 8. Sinn Haie sind die wohl sensitivsten Lebewesen der Erde - 8 Sinne sind bereits entdeckt. Doch nicht nur ihre Wahrnehmung, auch die Sprache der Haie wird nun von Verhaltensforschern entschlüsselt. Haie gelten als unberechenbare Killer, tödliche Fressmaschinen, deren Kraft und Schnelligkeit sie zusammen mit ihrem Rasiermesser-scharfen Revolvergebiss zum Angstgegner für alles machen, was im Meer schwimmt. Dass genau genommen nichts davon zutrifft, es sich vielmehr um ganz besonders feinsinnige Tiere handelt, zeigen neueste Forschungsergebnisse: Haie und Rochen, keine Fische sondern zur 400 Millionen Jahre alten Famile der Knorpelfische (Elasmobranchii) gehörig, besitzen elektrosensitive Sinnesorgane, die so feiner Wahrnehmungen fähig sind, dass nochsogut ausgeprägte Seh-, Hör- oder Geruchsleistungen anderer Lebewesen dagegen wie ein Krückstock für Behinderte wirken. Nun wurde bei Haien noch eine weitere, bislang unbekannte Fähigkeit entdeckt - neben den bekannten Sinnen und ihrem Biosonar, verfügen sie auch noch über den feinsten "Thermometer" der Tierwelt. Ihre schier unglaublichen kognitiven Fähigkeiten machten sie zu den perfektesten Jägern und Navigatoren der Ozeane. Einzigartige Tiere, die der Mensch - aus Unachtsamkeit, Unwissenheit und daraus resultierender Angst - an den Rande des Aussterbens geführt hat. Eine in Science (www.sciencemag.org, Ausgabe 17.01.03) veröffentlichte
Studie von Meeresbiologen der kanadischen Dalhousie University Die Population der Hammerhaie sei seit 1986 um unvorstellbare 89 Prozent zurückgegangen. Der Weiße Hai, der übrigens seit September des Vorjahres gemeinsam mit dem Plankton-fressenden Walhai in das Artenschutzprogramm der Vereinten Nationen aufgenommen wurde, ist um 79 Prozent im Bestand reduziert worden und die meisten anderen Arten um mindestens die Hälfte, so das für das gesamte maritime Gleichgewicht bedrohende Ergebnis der Forscher um Julia Baum. Dabei kommunizieren Haie sogar mit uns, wie Verhaltensforscher herausfanden, die gerade ihre Körpersprache entschlüsseln und den Mythos des aggressiven Menschenfressers ins Reich der Fabeln verbannen. "Haie verdienen unsere Bewunderung, nicht aber unsere Angst." (0002shark200sml.jpg: © Philip Colla / OceanLight.com; Sharkproject) Haie - Meister der Wahrnehmung Je nach Lebensraum der über 460 bekannten Arten sind Haiaugen perfekt an ihre Umgebung angepasst. Einige können die Pupillen verengen, um Helligkeitsunterschiede auszugleichen, bei Tiefenbewohnern und Nachjägern sind sie starr und stark erweitert, sodass selbst die schwach fluoreszierenden Lebewesen großer Meerestiefen erspäht werden können. Zusätzlich besitzen sie hinter der Netzhaut eine Art biologischen Spiegel (Tapetum lucidum), der wie ein Restlichtverstärker funktioniert, der bei hellerem Licht zum Schutz der Netzhaut von einem Schleier bedeckt wird. Riechen gehört wohl zu den bekanntesten Fähigkeiten des Hais. So kann er mit seinen ständig von Wasser durchspülten Nasengruben ihm bekannte Duftmoleküle - etwa einer potentiellen Partnerin oder jene vom Blut einer potentiellen Beute - noch in einer Konzentration von 1 zu 10 Milliarden "erschnuppern". Sein Geschmackssinn weist den angeblichen Allesfresser (gilt höchstens für den Tigerhai) ganz im Gegenteil als Feinschmecker aus. Das oft beobachtete kurze Anbeißen einer Beute geschieht nämlich nicht, um das Opfer zu quälen, sondern ganz einfach um zu kosten, ob es überhaupt verzehrbar ist. Seine Geschmacksknospen sitzen am Gaumen und er hat deshalb den so genannten Gaumenbiss entwickelt, bei dem er nicht mit den Zähnen zubeißt, sondern eine potentielle Beute an den Gaumen drückt. Handelt es sich - wie im Falle von Menschen - um für den Hai unbekanntes und wenig genießbares Treibgut, wird es nahezu unverletzt wieder losgelassen. Trotzdem er keine Außenohren besitzt, kann ein Hai vor allem niedrige Frequenzen mehrere Kilometer weit hören, der Schall wird von zwei Poren oberhalb der Augen an das Innenohr weitergeleitet, das auch die Orientierung und das Gleichgewicht steuert. Schall- aber vor allem Druckwellen aus einer Entfernung bis zu rund zwei Körperlängen kann er allerdings auch mit dem so genannten Seitenlinienorgan wahrnehmen, das für "Fern-Ertastung" zuständig ist. Zusätzlich zum normalen Tastsinn der Haut kann er Vibrationen jeder Art durch ein Netzwerk feiner Poren auffangen, das vom Kopf seitlich entlang des Körpers bis zur Schwanzflosse reicht. Sinneszellen in den Porenkanälen unter der Haut, so genannte Cilien, wandeln Vibrationen in Nervenreize um, die ans Gehirn weitergeleitet werden, wo der Ursprungsort durch Vergleich von Stärke und Zeitverzögerung beim Eintreffen bestimmt wird. Wobei Druckwellen nicht nur passiv empfangen, sondern sogar aktiv erzeugt werden. Beim Umkreisen eines interessanten Objekts drückt der Hai mit seiner Schwanzflosse laufend Wasser gegen das Objekt und misst das zurückkehrende "Echo". Er erhält so ein dreidimensionales, detailgetreues Bild des umkreisten Objekts. Ist schon diese Fern-Ertastung eine Wahrnehmungsart, die "uns Säugetiere" in Erstaunen versetzt, erbringen die Poren rund um die Haischnauze noch viel erstaunlichere Leistungen. Mit ihnen erspürt der Hai unter anderem allerfeinste elektromagnetische Felder und Temperaturunterschiede. (0004shark200sml.jpg © Sharkproject) Der 7. und 8. Sinn des Hais Von Poren in den Zellwänden der Außenhaut führen rund 1 mm dünne aber bis zu 20 cm lange Kanäle (je nach Größe des Tieres) zu den nach ihrem Entdecker genannten Lorenzinischen Ampullen, kleine Kammern, die als Elektrosensoren mit direkter Anbindung an das Nervengeflecht der Tiere fungieren. Kanäle und Ampullen sind mit einem Gelatine-ähnlichen Gel gefüllt, durch das ein Ionenaustausch mit der Umgebung stattfindet. Je nach Menge, Flussrichtung und Geschwindigkeit der geladenen Ionen, die durch die hauchdünnen Kanäle wandern, wird dabei unterschiedlich starke elektrische Spannung im Gel erzeugt. Tritt elektrische Spannung auf, wird sie von den Ampullen registriert, welche nun die angeschlossenen Nerven bzw. Neuronen stimulieren, ihrerseits zu "feuern" und Signale ans Gehirn oder den Muskelapparat zu senden. Der Ionenfluss im Gel kommt nur bei plötzlich wechselnden Umweltbedingungen ingange, etwa wenn ein schwaches bioelektromagnetisches Feld - ausgelöst durch die Bewegung oder Muskelkontraktion eines in der Nähe befindlichen Lebewesens - in die Kanäle eindringt. Je nach Einfallswinkel des elektromagnetisches Feldes in die Kanäle, werden unterschiedlich starke Impulse von den Ampullen erzeugt - das "schärfste Bild", bzw. der stärkste Impuls entsteht, wenn ein genau parallel zu den Kanälen ausgerichtetes Feld eintrifft. |
Die Anordnung zahlloser solch elektrosensitiver Organe in einem Netzwerk rund um die ovale oder hammerförmige Haischnauze ist geradezu ideal, um potentielle Beute im Umkreis von nahezu 360 Grad zu lokalisieren. Die allerkleinste Bewegung eines gegen herkömmliche Sinnesorgane noch so gut getarnten Lebewesens reicht aus, um dem Hai in Sekundenbruchteilen Standort und Entfernung zu verraten. Doch auch Feldlinien des gewaltigen Erdmagnetfeldes und 10.000 bis 100.000-fach schwächere Sekundärfelder, welche durch Interaktion mit den Meeresströmungen erzeugt werden, registriert der Hai mit seinen Sensoren. Er nutzt sie auf seinen Tausende Kilometer langen Erkundungszügen durch den Ozean wie einen elektromagnetischen Kompass, um Orte wiederzufinden, an denen besonders reiche Futterquellen wie alljährliche Sardinenwanderungen warten, oder an denen sich Artgenossen zur Paarung treffen. Seine Empfindlichkeit für elektromagnetische Felder ist die wahrscheinlich Höchstentwickelte des gesamten Tierreichs. Laborversuche bewiesen, dass der Hai noch auf Feldschwankungen von 0,05 Mikrovolt reagiert. Das Ionengeladene Gel besitzt aber noch weiterere ungeahnte Fähigkeiten, wie Brandon Brown, Spezialist für biologische Physik an der University of San Francisco in California (www.usfca.edu) nun herausfand und in"Nature" (www.nature.com, Ausgabe 30.01.03) vorstellte. (0005shark200sml.jpg © Fritz Cope, PSRF; ExpeditionZone.com) Das Temperatur-sensitvste Lebewesen der Erde Brandon Browns Forschungen galten dem Gel in den Lorenzinischen Ampullen und er entdeckte, dass es - ganz ohne Mitwirkung der Ionen-Kanäle oder Sinneszellen - allein für sich genommen der denkbar beste Thermosensor ist, mit Eigenschaften, die jedem High-Tech-Halbleiter der Computerindustrie zur Ehre gereichen würden. Zu Versuchszwecken entnahm er den Poren von der Pelagic Shark Research Foundation (www.pelagic.org) zur Verfügung gestellter Haie Proben des aus Glykoproteinen aufgebauten Gels und stellte fest, dass sich die elektrische Leitfähigkeit des Materials bereits bei einer Erwärmung von 0,1 Grad Celsius sprunghaft erhöhte, um bis zur nächsten Temperaturschwankung - egal, ob nach oben oder unten - wieder abzufallen. Pro vollem Grad Celsius Temperaturdifferenz baute sich in dem Gel eine Spannung von mehreren hundert Mikrovolt auf. Da die Lorenzinischen Ampullen des Hais aber bereits auf Schwankungen von 0,05 Mikrovolt reagieren, rechnete sich Brown aus, dass die anknüpfenden Nervenzellen des Hais bereits bei Temperaturschwankungen von nur 0,001 Grad Celsius "Meldung erstattet" bekommen.
"Synthetisiert wäre dieses Gel wohl der ideale Kühler für Mikrochips und Mikroelektronik", so sinniert Brown. "Werden Schaltkreise zu warm, baut sich elektrische Spannung im Gelmantel auf und beseitigt die Hitze". Doch vorrangiger erscheint ihm die Frage, ob dieses Gel nicht auch in Hautporen anderer Tiere existent ist und ob es vielleicht nicht nur von Knorpelfischen in ähnlicher Form genutzt wird. Doch selbst die schärfsten Sinne machen den Hai nicht zu dem gefürchteten Menschenfresser, als der er in unseren Köpfen seit Filmen wie "der weiße Hai" existent ist. Die Entschlüsselung seiner Körpersprache enthüllt, dass er mit uns kommunziert und unseren Respekt, nicht aber Angst verdient. (0006shark200sml.jpg © University of San Francisco in California, Sharkproject) Die Mär der aggressiven Menschenfresser In ihrem Wahrheitsgehalt vergleichbar mit alten Kupferstichen, auf denen gewaltige Riesenkraken ganze Schiffe auf den Meeresgrund ziehen, sind auch die Mythen von der Menschen-fressenden Killermaschine Hai - bloß würde heute niemand mehr an mordlüsterne Riesenkraken auf Menschenfang glauben. Berichte von Haiangriffen hingegen, die in angeblich grundloser Fressgier auf Schwimmer, Taucher, Surfer und Angler losgehen, finden sich alljährlich dramatisch ausgeschmückt in den internationalen Medien. Ein Faktum, das dem Schweizer Haispezialisten und Verhaltensforscher
Erich Ritter bitter aufstösst, zumal es mitverantwortlich für
die bedenkenlose Ausrottung der Haie ist, wogegen er gemeinsam mit einer
in Offenbach beheimateten internationalen Initiative namens Sharkproject
e.V. (www.sharkproject.com) unter Leitung des Unterwasserfilmers Gerhard
Wegner antritt. Haie fressen nämlich seit Jahrmillionen nichts anderes als Fisch und einige wenige Oberflächenbewohner wie Robben, die ebenfalls im Wasser zu Hause sind. Etwas, das anders aussieht, riecht oder schmeckt als das eingelernte Beuteschema, kommt für ihn als Futter nicht in Betracht. Ritter ist auch wissenschaftlicher Leiter des Global Shark Attack File am Shark Research Institute in Princeton - und bei ihm landet jeder gemeldete Haiangriff zur Analyse der Hergänge. Für ihn ist klar, dass ein Hai-Biss nichts mit Absicht oder Aggression zu tun hat, sondern lediglich eine unglückliche Konstellation verschiedener Faktoren darstellt, die leicht zu verhindern wären.. "Statistisch gesehen ist die Chance vom Blitz getroffen zu werden größer, als von einem Hai angegriffen zu werden", so Ritter, "und selbst dann handelt es sich in den meisten Fällen um einen "zahnlosen" Gaumenbiss, jedenfalls aber immer um ein Missverständnis zwischen Tier und Mensch." Die von Sharkproject erhobenen Zahlen beleuchten das Jäger-Opfer Verhältnis außerdem in gänzlich anderem Licht: Seit 1990 werden pro Jahr durchschnittlich 54 Haiunfälle gemeldet, von denen 7 tödlich für den Menschen enden. Im gleichen Zeitraum tötet der Mensch aber alljährlich an die 200 Millionen Haie - der Mensch ist für den Hai also ungleich gefährlicher als umgekehrt. |
Hai-Attacken sind Unfälle Als eines von vielen Beispielen für Haiangriffe nennt Ritter den Fall eines australischen Sportfischers, der gemeinsam mit seinem Enkel im hüfttiefen Wasser stand, als plötzlich ein Hai den Arm des Jungen erfasste. Der Mann stürzte sich sofort hinzu und versuchte das Kind unter Einsatz aller Kräfte der tödlichen Gefahr zu entreißen. Der Junge überlebte unter Verlust seines Unterarmes. Furchtbar genug. Aber was war wirklich geschehen? Die Rekonstruktion ergab ein für Ritter leider allzuoft beobachtetes Szenario: Der Angler benutzte als Köder Fischabfälle, die er neben sich von einem Gefäß beschwert am Meeresboden deponierte. Das Kind neben ihm spielte mit den herannahenden Wellen, plätscherte unbeschwert im Wasser vor sich hin. Aus der Sicht des Haies sieht die Sache dann so aus: Er hört ein Klatschen und Zappeln im Wasser, wie von einem verletzten Tier verursacht, er riecht dazu noch Fischblut - und wird davon geradezu magisch angezogen - so als ob unsereiner ein Steak oder einen Schweinsbraten riecht. Menschenblut hingegen hätte ihn nicht die Bohne interessiert. Doch irgendetwas stimmt nicht - weder Biosonar noch Optik bestätigen die anderen Eindrücke. Und wieder schießt etwas Fisch-großes, warmes vor seiner Nase vorbei und er fasst in Sekundenbruchteilen zu, setzt zum Gaumenbiss an, um zu kosten was er hier vor sich hat. Ritter bedauert sagen zu müssen, dass der Junge wahrscheinlich nur mit einem blauen Fleck und vielleicht kleinen Schnittwunden von einer eher zufälligen Berührung mit den scharfen Zähnen davongekommen wäre, hätte der Mann nicht eingegriffen und versucht, ihn wegzuzerren. Der Hai hätte bemerkt, dass er nichts wohlschmeckendes im Maul hat und hätte einfach wieder losgelassen. So aber schreckte er zurück während der Mann in die Gegenrichtung zog, wobei der Unterarm des Jungen von der seitlichen Scherbewegung der Haizähne abgetrennt wurde. Wer Haie und ihre Körpersprache versteht und weiß, wie er zu reagieren hat, um keine Missverständnisse in der Kommunikation mit den Tieren aufkommen zu lassen, wird Hai-Begegnungen lieben, anstelle sie zu fürchten, meint auch der erfahrene Taucher Gerhard Wegner und lädt im Rahmen von Hai-Reisen jeden ein, dies selbst zu erfahren. (0007-shark-200sml.jpg © Sharkproject, Tom Campbell, Pierre Tostee)
Rund um das Shark Education and Research Center (SERC) in Walker's Cay auf den Bahamas wimmelt es nur so von Haien - und Erich Ritter spielt dort seit 10 Jahren alle denkbaren Szenarien der Begegnung Mensch und Hai nach, analysiert das Verhalten der Tiere und hat gelernt, ihnen "zuzuhören". "Obwohl es natürlich viele Unterschiede im Verhalten verschiedener Arten gibt, versuchen alle in ganz ähnlicher Weise mit uns Menschen in Kontakt zu treten und es liegt an uns, ihre Signale richtig zu interpretieren und ihnen zu antworten", so Ritter, dessen Forschungsergebnisse zum ersten detaillierten Interaktionskonzept zwischen Mensch und Hai geführt haben. In speziellen Kursen und seinem neu erschienen Buch "Über die Körpersprache von Haien" (Verlag Dr. W. Steinert, ISBN: 3-931309-08-8) vermittelt er, wie man mit Haien kommuniziert. Wie aus ihrem Erscheinungsbild, der Anschwimmrichtung und dem Augenkontakt auf ihr zu erwartendes Verhalten geschlossen und richtig darauf reagiert werden kann. "Ein Hai, der nicht in ihre Richtung schwimmt, hat kein Interesse an ihnen. Haben sie sein Interesse allerdings geweckt, wird er im Abstand von rund zwei Körperlängen an ihnen vorbeischwimmen, sie umkreisen, um sie mit dem Seitenlinienorgan zu scannen." Technische Geräte wie Kameras und Lampen, die elektromagnetische Felder erzeugen, interessieren ihn dabei mehr als der Taucher selbst. "Geben sie ihm einfach zu erkennen, dass sie nicht in sein Beuteschema passen - senkrechte Körperposition und die Vermeidung hastiger Bewegungen einschließlich jener der Flossen reicht dabei in den meisten Fällen bereits aus," so Ritter. "Der Hai ist gewohnt, dass seine Beute wild durchs Wasser wühlend flüchtet. Alles was einen anderen Eindruck erzeugt, ist folglich keine Beute und wird ihn nur kurz interessieren." Nicht einmal vor direktem Körperkontakt braucht man sich zu fürchten. Manchmal schrammen Haie an einem vorbei, um auch über den normalen Tastsinn Informationen einzuholen. "Die Beobachtung der Stellung seiner Brustflossen gibt genaue Auskunft darüber, in welche Richtung der Hai abdrehen oder an ihnen vorüberschwimmen will - jene Flosse, die am tiefsten nach unten zeigt, erzeugt den größeren Wasserwiderstand, der Hai wird also auf diese Seite abdrehen." "Nur wenn er exakt und mit waagrecht ausgerichteten Brustflossen auf sie zukommt, denkt er möglicherweise daran, einen Gaumenbiss anzusetzen." Hier empfielt Ritter, ihn einfach mit ausgestrecktem Arm und der flachen Hand an sich vorbeizuschieben. Und wer sich beizeiten lieber zum geordneten Rückzug entschließt, solle am besten in aller Ruhe auf den Grund oder unter das Boot tauchen, um möglichst wenig Kontrastwirkung zum Umfeld zu haben. Die meisten Haiarten können zwar Farbsehen, doch zeigten die Versuche, dass ihre Neugierde nicht von speziellen Farben sondern von hell-dunkel-Kontrasten geweckt wird. Ruhe zu bewahren, zu beobachten und zu staunen anstelle sich zu fürchten seien jedenfalls die wichtigsten Verhaltensregeln. Was einem Ungeübten sicherlich nicht leicht fällt, wenn er im offenen Ozean einem 6-Meter Exemplar von Angesicht zu Angesicht gegenübersteht. Genau deshalb empfehlen die Sharkproject-Verantwortlichen Ritter und Wegner jedem, der aufgrund seiner sportlichen oder beruflichen Tätigkeit in solche Situationen kommen kann, einen Übungskurs des SERCs zu absolvieren, wo die Interaktion mit Haien Teil einer speziellen Haischule ist (www.sharkproject.com). Beim Schnorcheln mit Bullen- und Zitronenhaien und Tauchen mit rund 100 karibischen Riffhaien lässt sich die Theorie hautnah erproben. Der "Killer" sollte mit den neuen Erkenntnissen jedenfalls der Vergangenheit angehören - egal ob auf Haie oder Menschen gemünzt. (0008shark-200sml.jpg © Sharkproject) Autor: ![]() |
|
|