Unbekannte Fische und Korallen vor Madagaskar


Bei einer Expedition zur Bestandsaufnahme mariner Artenvorkommen in Korallenriffen des Nordindischen Ozeans wurden an der Nordwestküste Madagaskars gleich zwölf unbekannte Fisch- und Korallenarten entdeckt.

Besonders überrascht war das internationale Forscherteam des Center for Applied Biodiversity Science (www.biodiversityscience.org), einer Tochter der Naturschutzorganisation Conservation International (www.conservation.org), von drei bislang völlig unbekannten Vertreten einer Fischspezies, die längst als völlig erforscht galt.

Riffbarsche, kleine Knochenfische der Pomacentridae-Familie, gehören zu den auffälligsten Riffbewohnern, wegen ihrer vor allem in der Balzzeit leuchtend-bunten Farben. Rund 350 lokale Unterarten waren bisher bekannt, nun sind es drei mehr, die offenbar auschließlich vor Madagaskar leben.

Auch neun neue Korallenarten, darunter eine besonders hervorstechende Art in blutrot schillernden Farben, die sich bevorzugt unter Felsüberhängen ansiedelt, wurden erstmals dokumentiert. Eine Namensgebung steht noch aus.

Dass so auffällige Fische und Korallen bislang unentdeckt blieben, ist den Marinebiologen ein Rätsel. Sheila McKenna, Direktorin des Erhebungsprogramms, stellt jedenfalls fest: "Der ungewöhnlich reichen Artenvielfalt, die Madagaskar zu Lande besitzt, wird bereits viel Aufmerksamkeit gewidmet, doch das Leben im Meer ist von gleicher Einzigartigkeit - und es ist leider ebenso wertvoll wie gefährdet."


Gefährdeter Lebensraum

Korallenriffe sind Heimat für hundertausende Tier- und Pflanzenarten, die oft gar nicht in der Lage wären, an anderen Orten im Meer zu existieren. Wird ein Riff zerstört, sei es durch Überdüngung, Temperaturschwankungen oder die gefürchteten Schleppnetze, können damit unter Umständen ganze Spezies ausgerottet werden, wie jüngste Forschungsergebnisse zeigten.

Eines der größten Probleme für die Korallenriffe Madagaskars und der benachbarten Inselgruppen der Komoren, Seychellen und Mauritius ist allerdings die Überfischung, wie auch Teammitglied J.E.N. Vernon vom Australian Institute of Marine Science feststellt (www.aims.gov.au/index-ns.html).

Der Marineexperte ist mitverantwortlich für die Dokumentation von gut einem Drittel aller bekannten Korallenarten und sieht ebenso wie zahlreiche andere Forscher nur mehr einen Ausweg, um die rapide Dezimierung vom Aussterben bedrohter Arten einzudämmen: Die Einrichtung von lokalen Schutzzonen mit zumindest befristetem Fischereiverbot.

Fischbestände in Riffen nehmen ab

Das CABS-Team recherchierte unter der Bevölkerung Madagaskars, dass über 60 Prozent hauptsächlich vom Fischfang leben und dass sich die Fischer über zunehmend geringere Fangquoten sowie das Ausbleiben größerer Exemplare beklagten, was unter anderem ausländischen Fangflotten angelastet wird, die vermehrt in Küstennähe vordringen.

Kein Wunder, gehört die Gegend doch zu den 25 artenreichsten Hot-Spots des Lebens auf unserem Planeten. Ein Reichtum, der allerdings innerhalb des letzten Jahrzehnts so rasch schwindet, dass viele Wissenschaftler um die gesamte maritime Nahrungskette besorgt sind - an dessen Ende letztendlich auch der Mensch steht.

 



(Autor: www.ExpeditionZone.com)
(Fotos: © Conservation International / ExpeditionZone)