Rote Flut bedroht Floridas Küste

Vor der Küste Floridas spielt sich alljährlich ein geradezu apokalyptisches Ereignis ab. Plötzlich und scheinbar ohne Grund verfärbt sich das Meer rotbraun, tötet Millionen Fische und andere marine Lebewesen. Unter Einheimischen ist dieses Ereignis als "Red Tide" bekannt, was wir hierzulande die rote Flut nennen würden.

Warum sich das Meer so schlagartig verändert, wusste man bisher nicht. Doch Satelliten der amerikanischen Wetterbehörde NOAA (www.noaa.gov) und der NASA (www.nasa.gov) bringen jetzt Licht ins Dunkel.

Ihnen ist es gelungen, verräterische Staubwolken zu beobachten, die sich von der afrikanischen Sahara in Richtung Nordamerika ziehen. Sie dürften mit den roten Fluten in Zusammenhang stehen, glauben die Forscher.

Allerdings erhält das Meer seine Farbe nicht durch den Saharastaub, sondern durch eine geradezu explosionsartige Blüte giftiger Algen. Der Saharastaub fungiert vielmehr als Dünger. Durch seine hohe
Eisenkonzentration bringt er bestimmte Bakterien (Trichodesmium) dazu, Stickstoff im Wasser zu fixieren und in eine für andere Organismen verwertbare Form umzuwandeln. Die Lebensqualität für giftige Algen steigt binnen Kurzem.

 

Die Forscher sahen anhand der Sat-Bilder, dass am 17. Juni 1999 eine große Staubwolke die Sahara verließ und um den 1. Juli den nordamerikanischen Kontinent erreichte, wodurch die Eisenkonzentration im Wasser sprungartig um 300 % anstieg. Folglich schnellte auch die Trichodesmium-Zahl um das Zehnfache in die Höhe.

Im darauffolgenden Oktober stellten die Forscher schließlich eine 300-prozentige Erhöhung jener Stickstoffform fest, die Trichodesmium erzeugt. Eine gewaltige Blüte der giftigen Rotalge (Karenia brevis) folgte. Bereits nach kurzer Zeit waren mehr als 8.100 Quadratmeilen, zwischen Tampa Bay und Fort Myers, von einer rotbraunen Brühe durchzogen.

Weil nun der genaue Prozess bekannt ist, wie es zu den roten Fluten kommt, dürfte auch ihre Vorhersage leichter werden. Schon bald glauben die Forscher, allein durch Satellitendaten sagen zu können, wann es zur
Algenblüte kommt.

Was auch für den Menschen selbst wichtig ist, denn es kann durchaus zu Atemschwierigkeiten kommen, wenn man das Toxin von K. brevis einatmet. Außerdem kann der Verzehr von Schalentieren, die durch die roten Fluten vergiftet wurden, zu Lähmungserscheinungen und Gedächtnisschwund führen.

„Wenn uns eine genaue Vorhersage der Red Tides gelingt, dann könnte man Strände und Fischereibetriebe rechtzeitig schließen“, so der Autor der Studie Jason Lenes vom College of Marine Science (http://marine.usf.edu) der University of South Florida.



(Autor: www.ExpeditionZone.com)
(Fotos: © NOAA/MODIS/NASA/GFC)