| 01.02.2002 Tod im Paradies - Kenias Ökokatastrophe Ein gewaltiges Fischsterben noch ungeklärten Ursprungs breitet sich entlang der Ostküste Afrikas aus. Scheinbar kann niemand helfen. Seit 28.1.2002, an dem erstmals von Schwärmen toter Korallenfische in Kenias Bezirk Lamu berichtet wurde, zieht ein gewaltiges Fischsterben noch ungeklärten Ursprungs immer weitere Kreise entlang der Ostküste Afrikas. Laut Meldungen von Naturschutzorganisationen und lokaler Tageszeitungen sind bereits mehr als 1000 km Küstenlinie von Nordkenia, rund 60 km südlich von Kiunga beginnend, bis hinauf nach Somaliens Hauptstadt Mogadishu zur Todeszone für Millionen Meeresbewohner geworden. Denn bei den verendeten Tieren handelt es sich nicht nur um boden- und küstennah lebende Arten, wie Aale, Korallen-, Thun- und Tintenfische, sondern auch um Hochseefische. Rochen, Haie und Tausende der seltenen Meeresschildkröten, die auf den rund 50 kleinen Koralleninseln im Bereich des Kiunga Marine Naturreservats einen der letzten geschützen Nistplätze hatten, fanden einen mysteriösen Tod. Die WWF Meeresbiologin Julie Church, die Kenias Umweltschutzprogramm für die marine Region leitet und eine Forschungseinrichtung im Kiunga Reservat betreibt, ist entsetzt über das gewaltige Ausmaß dieser bislang größten Ökokatastrophe in Ostafrika. Das WWF Team (www.panda.org) untersucht nun gemeinsam mit weiteren Experten
des Kenya Marine and Fisheries Research Institute, dem Kenya Wildlife
Service und der Universität Nairobi in einem verzweifelten Kampf
gegen die Zeit die möglichen Ursachen des Massensterbens, das sich
nach wie vor ausbreitet. Laut einem Bericht der Daily Nation (www.nationaudio.com) musste der Bezirksvorsteher von Lamu, Wilson Wanyanga, am 30.1. die Anrainer in einer öffentlichen Stellungnahme beruhigen, die von einem Gerücht in Panik versetzt wurden, dass ausländische Marineeinheiten einen Giftangriff auf in Somalien vermutete Terroristen gestartet hätten. |
Obwohl die Untersuchungsergebnisse der kollektivierten Wasser- und
Gewebeproben noch ausstehen - sie werden erst kommende Woche erwartet
- steht die berüchtigte "Rote Flut" im Moment an erster
Stelle in der Verdächtigenliste der Wissenschaftler. Hohe Eisenkonzentrationen, vor allem durch anwehenden Wüstenstaub importiert, bringen Trichodesmium Bakterien dazu, Stickstoff im Wasser zu binden und in eine für andere Organismen verwertbare Form umzuwandeln. Die Lebensqualität für giftige Algen, wie die Rotalge (Karenia brevis) steigt explosionsartig, ebenso wie deren tödliche Wirkung auf alles umgebende Leben. Wobei es in Kenias Gewässern laut Auskunft des Co-Direktors des Meeresforschungsinstituts (www.kenyafish.org), Kuria Kairu, aber noch fünf weitere giftige Algenarten gäbe. Da sich die Rotalgenblüte fast alljährlich vor der Küste
Floridas abspielt, konnte sie von Wissenschaftlern des College of Marine
Science Wenn das Toxin von K. brevis eingeatmet wird, kann es durchaus zu Atemschwierigkeiten kommen und der Verzehr von vergifteten Schalentieren kann zu Lähmungserscheinungen und Gedächtnisschwund führen. Ebenso veranlasste nun die in Kenia beheimatete Tier- und Umweltschutzorganisation Ecoterra (www.ecoterra.net) die Regierung eine Warnung für die ansässige Bevölkerung herauszugeben, wonach der Genuss von kontaminiertem Fisch bei Menschen wie Tieren gefährliche Vergiftungserscheinungen auslösen kann. Hungersnot und finanzieller Ruin absehbar Der WWF befürchtet nun neben den großen ökologischen Auswirkungen des Tiersterbens auch weitreichende soziale und wirtschaftliche Folgen. Vor allem für die kleinen ländlichen Fischervereinigungen wäre die Situation existenzbedrohend, denn es traue sich derzeit niemand mehr, Fischen zu gehen. Die Haupterwerbs- und größte Nahrungsquelle ist über Nacht verschwunden. Autor: |
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