| 07-04-2002 Kapitän Ahabs Söhne: Walfang in Japan Kapitän Ahabs Söhne leben offenbar in Japan: Um die Gaumen einer kleinen elitären Bevölkerungsschicht zu erfreuen, wird entgegen allen internationalen Bestimmungen wieder exzessiver Wal-Mord betrieben. Darüberhinaus sollen sich nun weitere Länder an der gezielten Ausrottung der Meeressäuger beteiligen. Fauna und Flora unserer Meere sind dank Umweltbelastung, Klimaveränderung und vor allem Überfischung gerade dabei, unwiederbringlichen Schaden zu nehmen. Gerade in jüngster Zeit wurden mehrere Studien der weltweit wichtigsten Umweltorganisationen veröffentlicht, die vom beginnenden Großen Sterben in den Ozeanen berichten. Doch anstelle die von der Wissenschaft dringendst geforderten Schutzzonen in den Hot-Spots des maritimen Lebens einzurichten, wird das Meer in einigen Ländern ungeachtet der globalen Folgen immer stärker ausgebeutet und gefährdete Tierarten wie Wale werden sogar vermehrt bejagt. Wale, die Dinosaurier der Meere Der symbolische Kampf zwischen Moby Dick und Kapitän Ahab findet heute vor Japans Küsten statt. Doch Moby Dick wird nun bald das Schicksal der Dinosaurier teilen und Walfänger Ahab hat heute nur mehr pure Profitgier als Motivation vorzuweisen. Denn die Zeiten, wo Walprodukte wie Fleisch, Tran, Knochen und Haut wirklich gebraucht wurden, sind längst vorbei. Bloß einige Ureinwohner-Stämme in polarnahen Regionen sind noch auf Walfleisch angewiesen - und denen wird die Jagd mit Nachdruck untersagt. Wer dort aus purem Hunger einen Wal für seine Familie erlegt, kommt ins Gefängnis. Eine ganze Nation wie Japan hingegen darf sich aber offensichtlich ungestraft
über internationale Regelungen hinwegsetzen - denn obwohl kommerzieller
Walfang seit 1986 verboten ist, werden dort alljährlich rund 20.000
Kleinwale illegal abgeschlachtet, darunter auch akut vom Aussterben bedrohte
Arten. Gerade eben kehrte eine ganze Fangflotte nach großem Beutezug aus
der Antarktis zurück, wie die Umweltschutzorganisation Greenpeace |
Der Verkaufserlös des dabei nicht wissenschaftlich genutzten Fleisches im geschätzten Marktwert von 40 Millionen Euro diene der Finanzierung der Forschungsmission. "Die Fischereiagentur behauptet, Forschung für die IWC zu betreiben", meint Nina Thüllen. "Die Walfangkommission hat dieses Programm aber niemals verlangt, vielmehr sogar zur Beendigung aufgerufen." Tatsächlich wird hier ein Schlupfloch in den IWC Bestimmungen genutzt, wonach jede Nation jährlich eine gewisse Anzahl an Walen zu Forschungszwecken fangen darf. Japan legt diese Bestimmungen allerdings anders aus, als der Rest der Welt. Weitere Nationen beteiligen sich Dies gilt auch für das washingtoner Artenschutzabkommen CITES, das den internationalen Handel mit Walprodukten verbietet. Denn wie der japanischen Presse zu entnehmen war, hat das Fischereiministerium mitgeteilt, dass ab Mai auch noch norwegisches Walfleisch importiert werden soll. In Norwegen sind für das heurige Jahr 674 Minkewale zum Abschuss freigegeben und da in Japan offensichtlich bessere Preise als in Skandinavien bezahlt werden, sieht auch Norwegen kein Problem darin, das internationale Abkommen zu verletzen. Jagd auf vom Aussterben bedrohte Arten Ein weiterer "Höhepunkt" der japanischen Behörden-Ankündigungen der letzten Tage war die Aussage, dass künftig nicht nur Jagd auf Minke-, Pott-, Bryde- und Grindwale gemacht würde, sondern auch auf die geschützten Seiwale, die sich bereits auf der IUCN-Liste für bedrohte Tierarten befinden. Die Begründung dafür: Es soll wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass sie für den massiven Rückgang der weltweiten Fischbestände mitverantwortlich sind - sie würden einfach zu viel fressen (!). Dass sich die knapp vor der Ausrottung befindlichen Seiwale hauptsächlich von Krill und Krustentieren ernähren, dürfte zu den "Wissenschaftlern" noch nicht durchgedrungen sein. Nur dass ein einziges Tier gut 32 Tonnen Fleisch auf einmal bringt. Viele Portionen Sashimi für eine kleine kaufkräftige Klientel, die in japanischen Gourmettempeln teures Geld dafür zahlen. Viele Japaner gegen Walmord Der Großteil der Bevölkerung legt allerdings überhaupt keinen Wert mehr auf die angeblichen Leckerbissen und laut der Zeitung Asahi Shimbun sprechen sich bereits 36 Prozent der Japaner gegen den Walfang aus. Ob sich die schwächer werdende Nachfrage auch zu den japanischen Behörden durchspricht und ob die Behörden anderer Nationen ebenso wie die Weltöffentlichkeit weiterhin über solche Machenschaften hinwegsehen, wird sich unter anderem beim nächsten Jahrestreffen der Internationalen Walfangkommission zeigen. Autor:
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